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Für einen guten Start ins Leben

21.11.2022, 16:04 Uhr

Natalie Fergenbauer, Familienhebamme, Foto: Gesundheitsamt Frankfurt
Familienhebamme Natalie Fergenbauer © Stadt Frankfurt am Main , Foto: Gesundheitsamt

Die Frühen Hilfen am Gesundheitsamt unterstützen Eltern von Neugeborenen

Kommt ein Baby auf die Welt, beginnt für alle Eltern eine spannende Zeit. Für einige unter ihnen ist sie besonders aufregend – etwa, wenn sie selbst noch sehr jung sind, die Mutter alleine ist, es finanzielle Probleme gibt oder die Familie mit der neuen Situation einfach überfordert ist. Für solche Fälle gibt es die Frühen Hilfen am Gesundheitsamt Frankfurt. Sie unterstützen Eltern und Alleinerziehende während des ersten Lebensjahres ihres Kindes kostenlos und unabhängig von einer Krankenversicherung.

Natalie Fergenbauer, seit dem Start des Konzepts vor 14 Jahren Familienhebamme bei den Frühen Hilfen, gibt hier einen Einblick in die Arbeit des Teams.

Warum gibt es die Frühen Hilfen?

Weil Gesundheitsvorsorge nicht zeitig genug beginnen kann. Es gibt nur einen Start, den möchten wir gemeinsam mit den Eltern so gut wie möglich gestalten. Alle Eltern haben ein Interesse daran, dass ihr Baby gesund ist. Aber was bedeutet „Gesundheit“? Mit den Frühen Hilfen wollen wir einen Grundstein für eine gute Versorgung legen. Es geht darum, die Eltern zu begleiten und zu unterstützen und dabei das Baby optimal zu fördern.
 
Wie arbeiten die Frühen Hilfen?

Wir sind ein Team aus zwölf Familienhebammen und Familienkinderkrankenschwestern und betreuen zurzeit etwa 100 Familien in Frankfurt. Wir besuchen sie einmal in der Woche – bei Bedarf, zum Beispiel, wenn es akute Fragen oder Probleme gibt, auch öfter. Unterstützung erhalten wir dabei durch einen Sozialarbeiter, der bei Bedarf die Familie auch mal zum Job-Center begleitet und den Kinderärztinnen unserer Abteilung, die bei komplexen gesundheitlichen Fragestellungen unterstützen.


Wie kommen die Eltern zu den Frühen Hilfen?


Einige Eltern wenden sich selbst an uns, andere bekommen die Empfehlung über den Frauenarzt, Kinderarzt oder Schwangerenberatungsstellen, sich an uns zu wenden. Ein sehr großer Teil der Eltern wird durch die Babylotsinnen an uns vermittelt. Die Babylotsinnen des Kinderschutzbunds sind an den Kliniken angesiedelt und sie machen dort allen Eltern ein Angebot. Anhand eines Fragebogens, der in der Klinik ausgefüllt wird, kann sich ergeben, dass die Familie weiteren Unterstützungsbedarf hat. Mit der Familie überlegen die Babylotsinnen dann, ob vielleicht nur eine Nachsorgehebamme gesucht werden muss, ob die Familie im Stadtteil gut vernetzt ist und Zugang zu den Stadtteilangeboten hat oder ob es einen größeren Unterstützungsbedarf gibt und gezielt in bestimmte Projekte mit einer intensiveren Begleitung vermittelt werden sollte.

Was unterscheidet eine Familienhebamme von einer Hebamme?

Eine Hebamme betreut Mütter und Babys in der Regel im Wochenbett und berät vor allem, wenn es ums Stillen oder später um die Beikost geht. Sie kümmert sich um die Rückbildung und die erste Zeit mit dem Baby zu Hause. Eine Familienhebamme betreut die Familie über diese Zeit hinaus und beschäftigt sich daher auch mit Themen älterer Babys wie etwa die Entwicklung. Um zu diesen Themen beraten zu können, durchläuft sie eine spezielle zweihundertstündige Weiterbildung. 

Wie sieht die Betreuung der Familien aus?

Wir besuchen die Familien wöchentlich bei sich zu Hause. Dort baden wir die Kinder gemeinsam und sehen, wie sicher die Mutter oder der Vater im Umgang mit dem Baby ist. Wir schauen nach, ob mit der Babypflege alles klappt und wie es um den Gesamtzustand des Kindes steht – ist es fit oder eher schlapp? Ein Highlight ist immer das Wiegen, denn für alle Eltern ist es spannend zu sehen, ob ihr Kind gut zugenommen hat. Wir beantworten die Fragen der Eltern, die sich anfangs fast immer ums Essen, Schlafen, Wickeln und Weinen drehen und auch um die Anträge, bei denen sie Hilfestellung brauchen. Wenn es notwendig ist, begleiten wir die Familien auch zum Besuch beim Kinderarzt oder in spezielle therapeutische Angebote.

Was passiert nach dem ersten Babyjahr?

Wir überlegen gemeinsam mit den Eltern, ob und welche Begleitung sie künftig brauchen. Möchten die Eltern, dass das Kind in eine Kinderkrippe geht? Braucht das Kind zusätzliche Förderung und sollte an die Frühförderstelle angebunden werden? Gibt es noch so viele offene Fragen, die die Familie hat, dass eine Unterstützung durch das Jugendamt gut wäre? Unser Ziel ist, die Familien während des ersten Babyjahres zu stabilisieren und dann an andere Partner weiterzuleiten. Während unserer Betreuung legen wir mit den Familien einen Ordner mit allen wichtigen Informationen an. Kindergeld, Frankfurt-Pass, Förderangebote, Ermäßigungen, Wohnungssuche, all diese Themen besprechen wir mit den Eltern und heften sie dann im Info-Ordner ab. So kann die Familie jederzeit noch einmal alles nachlesen.

Was ist für Sie das Besondere an der Arbeit als Familienhebamme bei den Frühen Hilfen?

Allein, dass eine Familie meinen Kolleg:innen und mir ihre Tür öffnet, wir Einblick in ihr Leben nehmen und sie begleiten dürfen, ist alles andere als selbstverständlich. Als Team der Frühen Hilfen werden wir für einen kurzen Zeitraum Teil ihres Lebens. Und natürlich ist die Arbeit mit den Familien sehr spannend und abwechslungsreich. Wir stehen immer wieder vor neuen Herausforderungen. Aber selbst wenn es einmal schwierig ist: Am Ende zahlt es sich immer aus, sich für die gesunde Entwicklung der Kinder einzusetzen. Das habe ich in den vergangenen 14 Jahren gelernt.

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