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Meldungen

Frankfurt stärkt Bevölkerungswarnung

18.11.2021, 16:11 Uhr

Ströer Displays; Foto: Georg Mahler
Ströer Displays © Feuerwehr Frankfurt am Main , Foto: Georg Mahler

Feuerwehr steuert über satellitengestütztes Warnsystem nicht nur Medien und Warnapps an, sondern auch die digitalen Screens von Ströer

Bombenfund, Chemieunfall, Großbrand, Hochwasser – wenn in Frankfurt eine ernsthafte Gefahr für Leben oder Gesundheit droht, sollen so schnell wie möglich alle potentiell Betroffenen gewarnt werden. Und sie sollen erfahren, wie sie sich am besten verhalten. Für Bevölkerungswarnungen vor so genannten nicht-polizeilichen Gefahrenlagen ist die Feuerwehr Frankfurt zuständig – und erweitert jetzt deutlich Warninfrastruktur und Warnmittel.
 
In der Leitstelle der Feuerwehr in Eckenheim befindet sich eine satellitengestützte und damit hoch ausfallsichere Station für das nationale Warnsystem MoWaS, die vom Land Hessen zur Verfügung gestellt wurde. Über diese werden eine ganze Reihe von Multiplikatoren angesteuert: Nationale und regionale Radio- und Fernsehsender werden mit den Warnmeldungen zur zeitnahen Weiterverbreitung versorgt, parallel die verfügbaren Warn-Apps. Und eine weitere Schnittstelle sorgt dafür, dass ab jetzt Warnungen auch über die digitalen Stadtinformationsflächen der Firma Ströer ausgespielt werden.
 
Mehr als 40 dieser Displays finden sich in Frankfurt allein an den U- und S-Bahngleisen in den Stationen Hauptwache und Konstablerwache und haben dort einen sehr hohen Wahrnehmungsgrad. Am Hauptbahnhof und am Regionalbahnhof am Flughafen, an vielen weiteren Stationen im Stadtgebiet sowie in den großen Malls sendet Ströer ebenfalls seine Contentschleifen aus Werbung, Nachrichten und Wetter – und im Fall des Falls eben auch die Warnmeldungen. Insgesamt sind in Frankfurt 290 dieser digitalen und damit ad-hoc bespielbaren Informationsflächen durch die Kooperation mit Ströer an die Warninfrastruktur angeschlossen.
 
Ströer verfügt über einen Vertrag mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BBK) und ist damit offizieller Warnmultiplikator. „Dringende Informationen oder Hinweise von Polizei, Feuerwehr und Behörden sollten möglichst zeitnah und zielgerichtet bei der Bevölkerung ankommen – auch, beziehungsweise vor allem – im öffentlichen Raum. Wir freuen uns, dass wir dafür in Frankfurt nun die Voraussetzungen schaffen konnten und unsere digitalen Screens ab sofort den Warnmittelmix sinnvoll ergänzen“, erklärt Alexander Stotz, CEO von Ströer Media Deutschland. Im vergangenen Jahr unterstützte das Unternehmen so auch das Bundesgesundheitsministeriums und viele Kommunen bei der Pandemie-Kommunikation.
 
Frankfurt ist die erste Stadt, in der mittels Ströer-Displays in allen drei Gefahrenstufen gewarnt wird. Das Warnsystem MoWaS unterscheidet in „Gefahreninformation“ (niedrigsten Stufe, zum Beispiel eine Bombenentschärfung mit einigen Tagen Vorlauf), „Gefahr“ (mittlere Stufe, zum Beispiel Starkregen in kritischen Mengen) und „extreme Gefahr“ (höchste Stufe, zum Beispiel extremes Hochwasser mit akuter Lebensgefahr). Je nach Stufe sind Rundfunksender angehalten, ihr Programm für die Warnung zu unterbrechen oder die Warnung in ihre regulären Nachrichten aufzunehmen. Ebenso sieht die Vereinbarung der Feuerwehr Frankfurt mit Ströer vor, je nach Stufe ihren Content zu unterbrechen und die Warnung innerhalb der Schleife auszuspielen.
 
„Ziel ist, dass im Ereignisfall möglichst viele Menschen mit einer Warnmeldung erreicht werden können. Um dies zu erreichen, muss man heute auf viele Verbreitungswege für eine Warnung setzen“, erklärt Annette Rinn, Dezernentin für Ordnung, Sicherheit und Brandschutz. „Die großen Bildschirme an den zentralen Knotenpunkten in Frankfurt sind ideal, nicht zuletzt um die Pendlerinnen und Pendler oder Reisende zu erreichen, die in Frankfurt unterwegs sind.“
 
Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main (VGF) hat der Nutzung der Infoscreens für Bevölkerungswarnungen zugestimmt, ebenso wie die Deutsche Bahn. Die Meldungen, die auf den Displays zu sehen sein werden, sind deutlich als Warnung der Feuerwehr gekennzeichnet und enthalten die wichtigsten Warninhalte: Welche Gefahr ist wo in Frankfurt und was sollen die Bürger tun oder unterlassen – etwa unbedingt das betroffene Gebiet meiden.
 
„Warnung im Krisenfall muss schnell, einfach und wirkungsvoll sein – für die Leitstellenkräfte, die mit MoWaS nur ein System für alle Warnmedien bedienen müssen, und für die Empfänger. Dort die Menschen erreichen, wo sie sind; mit den Medien, die sie im Alltag nutzen oder wahrnehmen – das Prinzip ist wichtig beim Thema Warnung“, bestätigt Markus Röck, als Direktionsbereichsleiter bei der Frankfurter Feuerwehr auch für die Krisenkommunikation zuständig. Damit sei die Nutzung der digitalen Flächen in der Stadt sinnvoll und zeitgemäß.
 
In nicht allzu ferner Zukunft kämen auch noch mehr Warnkanäle in den heute notwendigen so genannten Warnmix, ergänzt Röck als Vertreter der Amtsleitung der Branddirektion. Wie das von der Bundesregierung angekündigte Cell Broadcast, das Warnungen per SMS an alle Handys schickt, die in einer bestimmten Mobilfunkzelle sind, und das Warnformat TPEG2-EAW, mit dem Warnmeldungen direkt an Navigationsgeräte im Auto übermittelt werden können.
 
Ein flächendeckendes Netz von Sirenen soll auch in Frankfurt aufgebaut werden. Diese haben im Moment als einziges Warnmittel die Eigenschaft eines zuverlässigen Weckeffekts, auch weil sie vom Mobilfunknetz unabhängig sind. Sie bleiben eine unerlässliche Rückfallebene, wenn alles Digitale versagt. Nach dem Ende des Kalten Krieges abgeschafft, dürfte die neue Sirenen-Generation heute anderen technischen Maßstäben entsprechen. Wie alle anderen Warnkanäle würden auch die Sirenen in Zukunft über die MoWaS-Station in der Leitstelle der Frankfurter Feuerwehr ausgelöst.
 
Zuständigkeiten beim Thema Bevölkerungswarnung

Laut Grundgesetz sind Bund, Länder und Kommunen für die Sicherheit der Menschen in Deutschland zuständig. Praktisch ist der Bevölkerungsschutz in erster Linie Ländersache und liegt im Zuständigkeitsbereich der Feuerwehren. Der Bund wird bei Großschadensereignissen mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, dem Technischen Hilfswerk und gegebenenfalls auch mit der Bundeswehr unterstützend tätig.

Die regionalen und lokalen Behörden warnen zum Beispiel bei den folgenden Anlässen: Großflächige Brände und damit einhergehende Rauchentwicklung, Austritt chemischer Stoffe und andere Chemieunfälle, Gefahren im Zusammenhang mit Überschwemmung und Hochwasser, gefährliche Folgen von Unwettern, Stromausfälle und Zusammenbrüche anderer regionaler oder lokaler Infrastruktur, Gesundheitliche Gefahren für Mensch und Tier.
 
Was ist MoWaS?

MoWaS steht für „Modulares Warnsytem“. MoWaS ist ein staatliches satellitengestütztes, und damit hoch ausfallsicheres System, durch das eine Warnung über viele Mittel und Wege zentral ausgelöst werden kann. Mit einer MoWaS-Sendestation, die in der Leitstelle der Feuerwehr Frankfurt in dieser Woche in Betrieb genommen wird, können ab jetzt mit ein und derselben Warnung alle angeschlossenen Warnmittel für Frankfurt angesteuert werden. Dazu gehören Rundfunksender, Nachrichtenagenturen und weitere Medien, alle verfügbaren Warn-Apps und auch eine Vielzahl an digitalen Flächen an zentralen Punkten.  

Wo stehen die Ströer-Screens?

290 digitale Bildschirme der Firma Ströer in Frankfurt wurden an das nationale Warnsystem MoWaS angeschlossen. Die Displays stehen an vielen zentralen und hochfrequentierten Knotenpunkten, wie an Bahnhöfen, in Einkaufszentren und an den U- und S-Bahnsteigen: 40 sind es an Konstablerwache und Hauptwache, 53 am Hauptbahnhof. In der MyZeil und dem Skyline Plaza sind die Screens auch nicht zu übersehen.

Warum Warnmix? Und wie sieht der in Frankfurt aus?

Gefahrenlagen, Technologien und Informationsgewohnheiten und -bedürfnisse haben sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verändert. Alle im Bereich des Bevölkerungsschutzes tätigen Institutionen und Organisationen sind sich einig, dass ein Warnmittel – etwa die Sirene – heute nicht ausreicht. Der ideale Warnmix aus mehreren Warnmitteln kann lokal unterschiedlich sein und ergibt sich aus den Gegebenheiten und Möglichkeiten der Kommune sowie aus den unterschiedlichen Eigenschaften der Warnmittel.
 
Frankfurt setzt auf

  • die regionalen und lokalen Medien als Multiplikator,
  • die Warn-Apps (hier vor allem NINA)
  • Durch seine besondere Situation mit überdurchschnittlich vielen Tagespendlern und als großer Knotenpunkt im Luft- und Schienenverkehr hält Frankfurt außerdem die digitalen Screens im Stadtgebiet für ein effektives Mittel, um Menschen mit Warnmeldungen zu erreichen.
  • Je nach Gefahrenlage werden zusätzliche Mittel eingesetzt, wie zum Beispiel Lautsprecherdurchsagen oder kurzfristig erstellte Flyer.
  • Weil Sirenen bislang das einzige Warnmittel mit einem verlässlichen Weckeffekt darstellen und diese auch bei Ausfall der Strom- und Kommunikationsnetze zur Verfügung stehen, hält die Feuerwehr Frankfurt es für unerlässlich, in Frankfurt als Bestandteil des Warnmixes künftig auch ein flächendeckendes Sirenennetz aufzubauen.

Welche Warnstufen gibt es?

  • Stufe 1, in den meisten Apps lila gefärbt, steht für „extreme Gefahr“ (höchste Stufe, zum Beispiel extremes Hochwasser mit akuter Lebensgefahr)
  • Stufe 2, in den meisten Apps rot gefärbt, steht für „Gefahr“ (mittlere Stufe, zum Beispiel Starkregen in kritischen Mengen
  • Stufe 3, in den meisten Apps gelb oder orange, steht für „Gefahreninformation“ (niedrigste Stufe, zum Beispiel eine Bombenentschärfung mit einigen Tagen Vorlauf

Welche Rolle spielen die Warn-Apps und welche sollte man haben?

  • Warn-Apps sind nicht, wie anfangs beworben, die „Sirene in der Tasche“, aber sie sind sehr wichtig, weil Smartphones die Alltagstechnologie schlechthin sind und zusammen mit der Warnung auch Information zur Gefahrenlage weitergegeben werden
  • NINA, die „Notfallinformation- und Nachrichten-App des Bundes“ ist direkt an das Warnsystem MoWaS angeschlossen, alle anderen in den App-Stores angebotenen Warn-Apps
  • KATWARN, HessenWARN, Biwapp und andere – erhalten als Multiplikator über eine technische Schnittstelle ebenfalls die Warnmeldungen und geben diese je nach Warnstufe weiter.
    KATWARN ist sowohl eine App, als auch der Name für ein dazugehöriges, privatwirtschaftlich betriebenes weiteres Warnsystem. Einige Bundesländer und Behörden nutzen KATWARN, um die Bevölkerung zu warnen und zu informieren. Das Land Hessen hat auf der technischen Grundlage von KATWARN die App HessenWARN entwickelt.
  • MoWaS erhält und verbreitet die Warnungen vom Deutschen Wetterdienst sowie, wenn entsprechend ausgelöst, die Meldungen von KATWARN.
  • BIWAPP wird von manchen Kommunen zur Bevölkerungsinformation über wichtige aktuelle Themen benutzt und gibt darüber hinaus Warnmeldungen von MoWaS, KATWARN und dem DWD weiter.

Empfehlung: Die Feuerwehr Frankfurt setzt auf das staatliche System MoWaS und dezidiert die dazugehörige App NINA, die im Übrigen auch auf Mehrsprachigkeit und Barrierefreiheit achtet. Letztlich ist es eine persönliche Entscheidung, welche App zu einem und zum eigenen Wohnort passt. Die Feuerwehr empfiehlt in jedem Fall, sich mit seiner Warn-App und ihren Möglichkeiten und Einstellungen vertraut zu machen, die App stets zu aktualisieren und sicherzustellen, dass diese aktiv ist.
 


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