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„Frankfurt ist meine Bildungsheimatstadt“

05.10.2020, 15:20 Uhr

OB Peter Feldmann und Kenan Önen mit den Stipendiaten der Peter Fuld-Stiftung, Foto: Salome Roessler
OB Peter Feldmann und Kenan Önen mit den Stipendiaten der Peter Fuld-Stiftung © Stadt Frankfurt am Main , Foto: Salome Roessler

Stipendiaten und Ehemalige der Peter Fuld-Stiftung treffen Oberbürgermeister Feldmann

Bildungszugänge sind ungleich verteilt. Seit über 50 Jahren nimmt sich die Peter Fuld-Stiftung dieser Problematik an, indem sie junge Menschen fördert, die aufgrund ihrer Herkunft geringere Bildungschancen haben. Am Freitag, 2. Oktober, trafen sich Stipendiaten, Alumni und Geschäftsführung mit Oberbürgermeister Peter Feldmann zu einem Gespräch im Römer.

„Die Stiftung setzt ein Zeichen gegen Diskriminierung und Ungleichbehandlung. Denn die schärfste Waffe dagegen ist Bildung“, sagte das Stadtoberhaupt. „Zweck der Stiftung ist es, Jugendliche in ihrer Erziehung und Ausbildung – auch durch ein Studium im In- und Ausland – durch eigene, unmittelbare Tätigkeit der Stiftung zu fördern, wobei vornehmlich Begabte und/oder solche Jugendliche zu bedenken sind, die unter ihrer Herkunft zu leiden haben“, heißt es in der Gründungserklärung aus dem Jahr 1969. Die Einrichtung vergibt Stipendien an 20 Personen pro Jahr, wie Geschäftsführer Kenan Önen erläutert.

 

In den Genuss einer solchen Förderung kam etwa Maryna Zubko. Die gebürtige Ukrainerin ist Opernsängerin und legte nach dem Bachelor in Kiew ihren Master und das Konzertexamen mit Auszeichnung an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt ab. Die Sopranistin steht am Theater Ulm unter Vertrag. „Ohne die Stiftung wäre der Master-Studiengang nicht möglich gewesen“, sagt Zubko. Frankfurt nennt die 30-Jährige „ihre Bildungsheimatstadt“, die ihr dank des Fuld-Stipendiums „ganz viele Erfolge“ gebracht habe. Die Künstlerin gewann in den vergangenen Jahren etliche Preise.

 

Noch nicht ganz so weit ist Leya Huseynova. Sie ist gerade im Abschlusssemester des Master-Studienganges „Empirische Sprachwissenschaft“. Ihren Bachelor machte die 26-Jährige an der Universität Baku in Aserbaidschan. „Als ausländische Studentin aus einem Nicht-EU-Land ist es schon schwerer“, sagt sie. Daher ist sie für das Stipendium „sehr dankbar“. Auf die Fuld-Stiftung kam Huseynova, als sie im Internet nach Fördermöglichkeiten recherchierte. Beide Frauen finden es wichtig, nach dem Studium der Stiftung als Ehemalige verbunden zu bleiben, um deren Arbeit zu fördern.

Die Einrichtung unterstützt nicht nur junge Menschen in Frankfurt. Zwar liege der Schwerpunkt der Arbeit in Hessen, aber entsprechend des Stiftungszweckes helfe man auch jungen Menschen, die in anderen Städten oder im Ausland eine Ausbildung absolvierten, sagt Önen. Der Frankfurter Raul Kapoor konnte sich nach seinem Bachelor am Main das Auslandsstudium in London nicht leisten. Das Stipendium der Fuld-Stiftung ermöglichte ihm den Master in Management an der London Business School.

„Es geht uns darum, die jungen Menschen nicht nur mit Geld zu unterstützen“, erklärt Geschäftsführer Önen. Als Teil der Neuausrichtung der Stiftung habe man sich entschlossen, die Bildungsarbeit auf breitere Beine zu stellen. Das sei auch der Wunsch der jungen Menschen gewesen. Deshalb biete man auch Seminare zu Themen wie persönliche Ziele, Zeit- und Stressmanagement an. Dazu beteiligt sich die Stiftung an Kooperationsvorhaben wie „Migranten werden Unternehmer“ oder dem „Projekt ffm“, das Schüler fördert, die aufgrund ihrer ökonomischen oder sozialen Situation mit Nachteilen kämpfen. „Die Stadt kann gesellschaftliche Missstände nicht alleine beheben. Daher ist die Arbeit der vielen Frankfurter Stiftungen besonders wichtig. Ich bin stolz darauf, dass Frankfurt eine Stiftungsstadt ist“, sagt Oberbürgermeister Feldmann.

Die Historie der Institution ist eng mit den persönlichen Erfahrungen des Namensgebers verbunden, was wiederum ein Teil Frankfurter Stadtgeschichte ist. Der 1921 geborene Peter Fuld musste als Sohn eines jüdischen Kaufmanns 1939 emigrieren und trat nach dem Krieg sein Erbe bei dem Traditionsunternehmen Telefonbau & Normalzeit – Lehner & Co an. In der Emigration in Toronto studierte er Jura, erfuhr aufgrund seiner deutsch-jüdischen Herkunft selber Diskriminierung und erlebte die Schicksale nicht-weißer Kommilitonen. Er entschied sich daher, ein Teil seines Erbes benachteiligten Menschen zukommen zu lassen. Fuld starb 1962.

Weitere Information zur Arbeit der Stiftung gibt es unter https://www.peterfuldstiftung.de/stiftung/External Link.

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