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"Wir sind hier - Festival für kulturelle Diversität" vom 18. bis 20. Februar

14.01.2021, 14:02 Uhr

Logo:  "Wir sind hier"
Logo: "Wir sind hier" © Literaturhaus Frankfurt am Main

Genau ein Jahr nach den rassistisch motivierten Morden von Hanau veranstaltet das Literaturhaus Frankfurt „WIR SIND HIER. Festival für kulturelle Diversität“.

Die Veranstaltungen werden im Livestream übertragen. Neun Menschen wurden am 19. Februar 2020 im hessischen Hanau bei einem kaltblütigen rechtsextremen Anschlag ermordet. Was die Opfer gemein hatten: ihr sogenannter Migrationshintergrund. Zum ersten Jahrestag dieser Ermordungen findet von Donnerstag, 18., bis Samstag, 20. Februar, im Literaturhaus Frankfurt „WIR SIND HIER. Festival für kulturelle Diversität“ statt. Ins Leben gerufen und kuratiert von Verlagsgründerin Selma Wels und Benno Hennig von Lange, Literaturhaus Frankfurt. Zu Gast sind Autorinnen und Autoren, die sich in ihrer literarischen, journalistischen oder publizistischen Arbeit ausdrücklich oder hintergründig mit Rassismus beschäftigen. Außerdem sind zu Gast Rednerinnen und Redner aus der Wissenschaft und Seda Başay-Yıldız, Anwältin der Nebenklage im sogenannten NSU-Prozess.

Gespräche und Lesungen im Livestream: Auswirkungen scheinbarer kultureller Nicht-Zugehörigkeit
Unter den Gästen sind unter anderem Hengameh Yaghoobifarah, Ronya Othmann, Alice Hasters, Max Czollek, Idil Baydar, Ferda Ataman, Mohamed Amjahid oder auch Michel Abdollahi – insgesamt 14 Autorinnen und Autoren sowie Publizistinnen und Publizisten finden sich im Programm der drei Festival-Tage, die aus dem Literaturhaus Frankfurt sowie einmal auch aus Hanau im Livestream übertragen werden. Der Festivalpass kostet zehn Euro. Festival-Initiatorin und -leiterin Selma Wels sagt: „Die Auswirkungen einer scheinbaren kulturellen Nicht-Zugehörigkeit spiegeln sich nicht nur in der Literatur wider, sie ziehen sich durch die unterschiedlichsten Bereiche unserer Gesellschaft. Hierzu werden mit den Autor*innen weitere Gäste wie die Politologin Sham Jaff und die Anwältin der Nebenklage im NSU-Prozess, Seda Başay-Yıldız, ins Gespräch kommen. ‚WIR SIND HIER.‘ soll die Perspektivvielfalt aufzeigen, die uns jeden Tag bereichert, Verständnis schaffen und uns dadurch einander näherbringen.“

„Dass sich die Gesellschaft durch Menschen mit Migrationserfahrungen und deren Kinder gewandelt hat,“ ergänzt Festivalleiter Benno Hennig von Lange vom Literaturhaus Frankfurt, „lässt sich inzwischen auch in den Medien und dem Literaturbetrieb ablesen. Eine ganze Reihe von Journalist*innen und Autor*innen haben sich etabliert oder sind dabei, das zu tun. Sie bieten neue Perspektiven und Erfahrungen, Einblicke in ihre Lebenswirklichkeiten und äußern sich zum Teil ganz explizit zu Ereignissen, die uns alle angehen.“

Durch die Kraft der Literatur werden vielfältige deutsche Lebenswirklichkeiten zugänglich
„Nur wenige Kilometer von Frankfurt entfernt geschah eines der schwersten rassistischen Attentate in der Geschichte der Bundesrepublik: Die schrecklichen Mordanschläge in Hanau jähren sich im Februar dieses Jahres zum ersten Mal. Das Festival ‚WIR SIND HIER.‘ behandelt Rassismus, die Sichtbarkeit postmigrantischer Kulturschaffender und das Entstehen neuer Literaturen (post-)migrantischer Schriftstellerinnen und Schriftsteller abseits der bekannten Exilliteratur. Durch die Kraft der Literatur werden vielfältige deutsche Lebenswirklichkeiten für alle zugänglich“, sagt Kulturdezernentin Ina Hartwig. Gemeinsam mit Integrationsdezernentin Sylvia Weber hat sie die Schirmherrschaft des Festivals übernommen.

„Rassismus ist ein strukturelles und institutionelles Problem unserer Gesellschaft: Er ist real und tötet Menschen. Diese Strukturen zu reflektieren und aufzubrechen ist zuallererst die Verantwortung der weißen Mehrheitsgesellschaft. Das bedeutet, eigene Privilegien und Vorurteile zu hinterfragen und verschiedene Lebensrealitäten anzuerkennen. Das Festival ‚WIR SIND HIER.‘ leistet einen wichtigen Beitrag dazu, indem es vielfältige Perspektiven von Schwarzen Personen und Personen of Color aus unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft sichtbar macht, die von der weißen Mehrheitsgesellschaft oft ausgeblendet werden. Das Festival schafft damit einen wichtigen Anlass zu einer gesellschaftlich dringend notwendigen Auseinandersetzung“, betont Integrations- und Bildungsdezernentin Sylvia Weber.

„WIR SIND HIER.“ wird durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain, das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst, das Amt für multikulturelle Angelegenheiten sowie das Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main gefördert. Das Festival findet in Kooperation mit der Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank und der DEXT-Fachstelle Hanau statt. Medienpartner ist „Das Wetter. Magazin für Text und Musik“.

#denkichanhanau – Aufruf zur Gedenkaktion und Formulierung der eigener Perspektiven
An den Festivaltagen – und natürlich darüber hinaus – ruft „WIR SIND HIER.“ zudem zu einer Gedenkaktion an die Opfer der rassistischen Morde von Hanau auf. Diese Aktion findet bewusst online statt und will ein Zeichen gegen das Vergessen setzen und beruft sich auf Heinrich Heines berühmten Eingangsvers „Denk ich an Deutschland in der Nacht“ aus den „Zeitgedichten“. Mit dem Hashtag #denkichanhanau soll der Opfer von Hanau und weiterer Opfer rechter Gewalt gedacht werden. Alle sind eingeladen und aufgerufen, ihre eigene Perspektive zu formulieren und diese auf der Plattform ihrer Wahl online zu posten.

Weitere Informationen zum Festival, das Festival-Programm und die Biografien der Festival-Leitung finden sich in den beigefügten PDF-Dateien.


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