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Kulturdezernentin Hartwig eröffnet die Ausstellung „Stolperseiten“

20.05.2022, 16:37 Uhr

Am Donnerstag, 19. Mai, hat Kultur- und Wissenschaftsdezernentin Ina Hartwig gemeinsam mit dem Vizepräsidenten der Goethe-Universität, Michael Huth, und der Direktorin der Universitätsbibliothek, Daniela Poth, die Ausstellung „Stolperseiten“ im Schopenhauer-Studio der Universitätsbibliothek eröffnet. Dabei unterzeichnete Hartwig zusammen mit dem Vizepräsidenten der Universität und der Direktorin der Universitätsbibliothek sowie dem Direktor des Instituts für Sozialforschung, Stephan Lessenich, eine Absichtserklärung zur Rückgabe von während des Nationalsozialismus enteigneten Büchern des Frankfurter Instituts für Sozialforschung. Die Bücher aus den Beständen der Universitätsbibliothek sind zum Teil Eigentum der Stadt Frankfurt und werden als Dauerleihgaben in der Universitätsbibliothek aufbewahrt.

Kultur- und Wissenschaftsdezernentin Hartwig sagte: „Bei dem Begriff ‚Arisierungen‘ denkt man in erster Linie an Immobilien, Geschäfte oder Betriebe, die ihren jüdischen Eigentümerinnen und Eigentümern abgepresst wurden. Mit den geraubten Büchern nimmt die Ausstellung dagegen einen bislang kaum beachteten Aspekt des nationalsozialistischen Kulturraubs in den Blick. Die Restitution der 119 Bücher an das Institut für Sozialforschung ist ein bedeutendes Zwischenergebnis des gemeinsamen Forschungsprojekts der Universitätsbibliothek und der Stadt Frankfurt.“
 

Die Ausstellung ist das Ergebnis des vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderten Forschungsprojekts zur Recherche nach NS-Raubgut in den Beständen der Universitätsbibliothek. Die Recherche umfasst auch Bestände der ehemaligen Stadtbibliothek, die sich im Eigentum der Stadt Frankfurt befinden und durch die Universitätsbibliothek verwaltet werden. Das Dezernat für Kultur und Wissenschaft hat das ursprünglich auf zwei Jahre angesetzte Projekt bislang mit 12.500 Euro gefördert, eine Verlängerung ist in Planung.

In acht Themeninseln nimmt die Ausstellung die wissenschaftlichen Bibliotheken Frankfurts in der Zeit von Beginn der NS-Herrschaft bis zur Nachkriegszeit in den Blick. Das führt von den ersten bibliotheksinternen Veränderungen über die Entwicklung Frankfurts als zentralem Ort des NS-Bücherraubs und zu den großangelegten Raubzügen und Plünderungen in weiten Teilen Europas bis zu den Restitutionsbemühungen nach 1945. Beim Gang durch die Ausstellung „stolpert“ man auch über eine Vielzahl ermittelter Einzelschicksale. Zusätzlich werden Arbeitsweisen und Werkzeuge, aber auch Hindernisse der Provenienzforschung thematisiert.
 

Bibliotheken nahmen als Orte von Forschung und Volksbildung nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten eine herausgehobene Rolle ein. Die Vorgänger der heutigen Universitätsbibliothek übten ihre Aufgaben weiterhin aus und handelten als Teil der städtischen Verwaltung formal gesehen nach den damals geltenden Gesetzen. Dabei traten einige Akteure durch ihre Nähe zum Nationalsozialismus besonders in den Vordergrund. Außerdem waren Frankfurter Bibliotheken an der systematischen Plünderung und Verwertung der Besitztümer verfolgter Personen und Institutionen beteiligt.

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