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20.06.2013

Wichtigstes Dokument des Instituts für Stadtgeschichte ist Welterbe

Die Frankfurter Goldene Bulle aus dem 14. Jahrhundert, © Stadt Frankfurt am Main, Institut für Stadtgeschichte
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Goldene Bulle zählt ab heute zum „Memory of the World“-Programm der Unesco

(pia) Gestern Nacht, 19. Mai, hat Unesco-Generaldirektorin Irina Bokova auf Empfehlung des Internationalen Komitees für das Programm „Memory of the World" bei einer Konferenz in der südkoreanischen Stadt Kwangju die Goldene Bulle in die Liste des Weltdokumentenerbes aufgenommen.

Kulturdezernent Felix Semmelroth freut sich: „Mit der Auszeichnung der Goldenen Bulle als Weltdokumentenerbe schließt sich eine Lücke in der Geschichtsschreibung. 657 Jahre nach dem Erlass der Goldenen Bulle erkennt die Welt die Bedeutung des kaiserlichen Gesetzbuchs.“ Als Besonderheit der Ehrung hob der Kulturdezernent hervor, „dass sich mit dieser Ernennung einmal mehr die kultur- und geistesgeschichtliche Vorrangstellung der Stadt Frankfurt bestätigt.“ Auch die Leiterin des Instituts für Stadtgeschichte Evelyn Brockhoff unterstrich, „damit ist die globale Bedeutung des wichtigsten Dokumentes in unseren reichen, bis in das 9. Jahrhundert zurückliegenden Beständen offiziell anerkannt worden“. Gemeinsam mit dem Kulturdezernenten stellte sie bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz in der äußerst selten zugänglichen Privilegienkammer des Instituts für Stadtgeschichte das kostbare Dokument vor.

Die Goldene Bulle, inhaltlich das Ergebnis zweier Reichstage im Jahr 1356, ist das wertvollste Dokument des Instituts für Stadtgeschichte und zugleich eines der folgenreichsten Privilegien der Stadt. Sie gilt als das „Grundgesetz“ des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und gehört zu den zentralen Zeugnissen deutscher Geschichte. Kaiser Karl IV., der viele Privilegien der Stadt bestätigte, sicherte Frankfurt 1356 mit der Goldenen Bulle bis zum Untergang des Alten Reiches 1806 den Status als Wahlort der deutschen Könige zu. Die Stadt Frankfurt ließ sich 1366 ein eigenes Exemplar der Goldenen Bulle ausfertigen, das unter der Signatur „Privileg 107“ im Institut für Stadtgeschichte zu finden ist und gestern Nacht in die Liste des Weltdokumentenerbes aufgenommen wurde. Obwohl das Frankfurter Exemplar zehn Jahre jünger ist als die sechs anderen überlieferten kurfürstlichen Ausfertigungen von 1356/57 war es rechtlich voll gültig. Da es bei jeder Königs- oder Kaiserwahl zu Rate gezogen wurde, erlangte es als bekannteste und am häufigsten verwendete Ausfertigung der Goldenen Bulle bald das Ansehen eines „Reichsexemplars“. Heute ist es eines von sieben erhaltenen Exemplaren, die auf Deutschland und Österreich verteilt sind.

Beide Länder haben sich deshalb gemeinsam und erfolgreich um die Ankerkennung als Weltdokumentenerbe beworben. Dazu gehören nun als Originale das „Böhmisches Exemplar“ (Österreichisches Staatsarchiv, Haus-, Hof- und Staatsarchiv, Wien), das „Frankfurter Exemplar“ (Institut für Stadtgeschichte, Frankfurt am Main), das „Kölner Exemplar“ (Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt), das „Mainzer Exemplar“ (Österreichisches Staatsarchiv, Haus-, Hof- und Staatsarchiv, Wien), das „Nürnberger Exemplar“ (Staatsarchiv Nürnberg,), das „Pfälzische Exemplar“ (Bayerisches Hauptstaatsarchiv, München) und das „Trierer Exemplar“ (Landesarchiv Baden-Württemberg, Abteilung Hauptstaatsarchiv Stuttgart) sowie die prachtvolle handschriftliche Kopie „Goldene Bulle des Königs Wenzel“ (Österreichische Nationalbibliothek, Wien).

Das Institut für Stadtgeschichte bietet eine animierte CD an, mit der es sich am heimischen Computer nicht nur im Frankfurter Exemplar blättern lässt, sondern das auch den lateinischen Text, eine frühneuhochdeutsche sowie eine moderne deutsche Übersetzung anbietet. Zudem sind auf der CD, die für 18,90 Euro an der Kasse des Instituts erworben werden kann, Informationen zur Entstehung der Goldenen Bulle und zu ihrer Rezeptionsgeschichte nachzulesen. Auch eine Replik des Siegels der Goldenen Bulle ist im Institut für Stadtgeschichte für 25 Euro erhältlich. Replik und CD als Paket kosten 35 Euro.