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30.11.2017

‚Qumran-Skandal nicht zu akzeptieren‘

Bürgermeister Uwe Becker, © Foto: Angela Kropp, Dezernat II
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Bürgermeister Uwe Becker kritisiert Bundesregierung scharf

(kus) Bürgermeister und Kirchendezernent Uwe Becker hat am 30. November die Absage des Bibel-Museums für die im Herbst 2019 geplante Qumran-Ausstellung zum Anlass genommen, sein Unverständnis gegenüber der Haltung der Bundesregierung zum Ausdruck zu bringen.

„Es kann und darf nicht sein, dass das verschobene Koordinatensystem einzelner Bundesminister beziehungsweise von Bundesministerien unser grundsätzliches Verhältnis zu Israel derart beschädigt, dass nun offensichtlich nicht einmal mehr Ausstellungen mit Fragmenten von kulturhistorisch bedeutsamen Bibel-Handschriften aus Israel gezeigt werden können. Wenn sich Deutschland weigert, Israel eine rechtsverbindliche Rückgabezusage für die Leihgaben aus Qumran zu geben (Immunitätszusage), dann baut die Bundesregierung eine Mauer zu den Ursprungsorten des Christentums auf. Denn was für Qumran gilt, gilt dann auch für Bethlehem, Jericho, Ostjerusalem und weitere Stätten des Wirkens Jesu Christi. Entweder hat hier jemand die Dimension dieser Fehlentscheidung nicht überblickt, oder man betreibt eine Politik, die aus meiner Sicht unvereinbar ist mit den grundsätzlichen Beziehungen zu Israel“, sagte Bürgermeister und Kirchendezernent Uwe Becker.

Während andere Europäische Staaten in den zurückliegenden Jahren in vergleichbaren Fällen eine sogenannte umfassende Immunitätszusage gegenüber Israel abgegeben haben, so etwa die Niederlande und Österreich, weigert sich Deutschland, eine solche Erklärung für die Ausstellung des Bibelmuseums gegenüber der Israelischen Antikenbehörde abzugeben.

„Bei aller Rücksichtnahme auf palästinensische Empfindlichkeiten, wiegen die besonderen Beziehungen zu Israel schwerer und die Kulturpolitik darf nicht das Koordinatensystem eigenständig zu Lasten Israels verschieben. Die Bundesregierung muss ihre Positionierung in diesem Fall überdenken und sollte sehr schnell den Scherbenhaufen durch zusätzliche Anstrengungen wieder zusammenkehren und kitten“, erklärte Bürgermeister Becker, der zugleich einen Brief mit der entsprechenden Aufforderung an die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, und Bundesaußenminister Sigmar Gabriel richtete, in dem er sich für die Durchführung der Ausstellung und das diesbezügliche Engagement der Bundesregierung einsetzt.