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10.03.2017

Gedenktafel für Fritz Bauer an seinem ehemaligen Wohnhaus

(kus) Kulturdezernentin Ina Hartwig hat am 10. März gemeinsam mit dem Ortsvorsteher des Ortsbeirates 2, Axel Kaufmann, sowie dem stellvertretenden Direktor des Fritz Bauer Instituts, Gottfried Kößler, eine Gedenktafel für Fritz Bauer an seinem ehemaligen Wohnhaus in der Frankfurter Feldbergstraße 48 der Öffentlichkeit übergeben.

Auf der Bronzetafel ist zu lesen: „Hier wohnte von 1957 bis zu seinem Tod Fritz Bauer (1903 - 1968). Als hessischer Generalstaatsanwalt initiierte er den ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess (1963 - 1965), in dem ein deutsches Gericht die Verbrechen im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz verhandelte. Frankfurt verneigt sich vor seinem Mut und seiner Entschlossenheit.“

Ina Hartwig, Kulturdezernentin, © Foto: Salome Roessler
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Die Kulturdezernentin betonte die große Bedeutung des ersten Frankfurter Auschwitz-Prozesses für die Geschichte der Bundesrepublik: „Mit dem Auschwitz-Prozess stand das deutsche Menschheitsverbrechen zur Verhandlung. Durch ihn gewann die Auseinandersetzung mit dem Holocaust in der Bundesrepublik Deutschland erstmals eine öffentliche Dimension. Fritz Bauer hoffte, dass die Bundesbürger Lehren aus dem Prozess zögen, dass er ihnen eine Geschichtsstunde sei. Aufklärung, nicht Vergeltung oder gar Rache war sein Anliegen bei der Strafverfolgung der im Nationalsozialismus verübten Verbrechen. Die Stadt Frankfurt ist sich der Bedeutung des herausragenden Juristen und Reformers bewusst, dem es gelang, Breschen in eine Mauer des Schweigens zu schlagen, die auch zehn Jahre nach Kriegsende die Täter noch schützte.“

Bauers Werk galt dem Aufbau einer demokratischen Justiz, der konsequenten strafrechtlichen Verfolgung nationalsozialistischen Unrechts und der Reform des Straf- und Strafvollzugsrechts. Vom Magistrat der Stadt Frankfurt wurden Bauers große Verdienste mehrfach gewürdigt. So gehört die Stadt neben dem Land Hessen und dem Förderverein Fritz Bauer Institut zu den Gründungsstiftern des Fritz Bauer Instituts, einem Studien- und Dokumentationszentrum zur Geschichte und Wirkung des Holocausts. Auch das im Auftrag des Magistrats realisierte Denkmal der Künstlerin Tamara Grcic vor dem Oberlandesgericht an der Zeil 42 würdigt die großen Verdienste des ehemaligen hessischen Generalstaatsanwalts.

Mit der Tafel in der Feldbergstraße 48 kommt ein neuer Ort des Gedenkens an diese herausragende Persönlichkeit hinzu. Hier wohnte der Bauer von 1957 bis zu seinem Tod im Jahr 1968.

Die Kulturdezernentin dankte dem Ortsbeirat 2 mit seinem Ortsvorsteher Axel Kaufmann und dem stellvertretenden Vorsitzenden des SPD Ortsvereins Frankfurt-Westend, Hermann-Josef Birk, für die Initiative zu dieser Gedenktafel.

„Die Gedenktafel soll nicht nur an Fritz Bauer erinnern, sondern auch ein Appell an uns heute sein. Denn in einer Zeit, in der rechtsradikale Strömungen an Stärke gewinnen, ist uns Fritz Bauers Vermächtnis Ansporn und Verpflichtung zugleich“, so Kulturdezernentin Hartwig.