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26.08.2014

Die Sackpfeifer aus Sachsenhausen

Der Leiter der Clan Pipers, Maximilian Platzner, spielt während einer Probe auf seinem Dudelsack, 7. August 2014, © Foto: Salome Roessler
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Deutschlands beste Dudelsackband heißt Clan Pipers und kommt aus Frankfurt

Vor 40 Jahren haben die Clan Pipers Frankfurt begonnen, Musik auf uralten Instrumenten zu spielen. Die Band wurde gut und besser, heute ist sie eine der besten im internationalen Vergleich. Am 30. August feiern sie ihr Jubiläum mit einem großen Konzert und Gästen aus Schottland.

Frankfurt am Main (pia) Die beste Dudelsackband Deutschlands probt in diesen Sommerferien in der Feuerwache 1 am Marbachweg. Grauer Boden, Tafel an der Wand, die Tische zusammengeschoben wie in mancher Schulklasse. Frauen und Männer, einer davon der Pipe-Major, also der Bandleader, sitzen um die Tische herum und blasen in Instrumente, die aussehen wie große Flöten. Keine Spur von einem Sack, keine Spur von den langen Pfeifen, die charakteristisch sind für das Instrument. Die Flöten heißen Practice Chanter, sind die Übungsinstrumente der Dudelsackspieler. Jeder Sackpfeifer, so nennt man die Musiker, testet darauf Griffe und Melodien. Erst wenn die sitzen, wird auf dem Sack geprobt. Der Grund wird im Lauf der zweieinhalbstündigen Probe deutlich: Dudelsäcke sind laut. So laut, dass sich manche Spieler beim musizieren mit Ohrstöpseln schützen. Die Practice Chanter dagegen klingen gedämpft, fast schon leise. Sie brauchen kaum Platz. Und viel weniger Puste.

Mitglieder der Clan Pipers spielen während einer Probe auf ihren Practice Chanter, den Übungsinstrumenten der Dudelsackpfeifer, 7. August 2014, © Foto: Salome Roessler
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Aufs Lungenvolumen kommt es an

„Dudelsackspielen fühlt sich anfangs an, als müsste man hintereinander mehrere Luftballons aufblasen“, sagt Roland Walther, „manchen wurde dabei schon schwindelig“. Roland Walther ist eines der dienstältesten Mitglieder der Clan Pipers, die zugleich die beste und die älteste Dudelsackband im ganzen Land ist. 1974 von Peter Bergschmidt gegründet, hat sie heute rund 50 aktive Mitglieder, die sich zu ihren regelmäßigen Proben im Saal der Sachsenhäuser St. Aposteln Gemeinde treffen. Die Musiker teilen sich in zwei Gruppen auf: die A-Band und die B-Band. Die B-Band spielt auf nicht ganz so hohem Niveau, die A-Band ist der bei der Scottish Pipe Band Association als „Grad 3 A Pipe Band“ gelistet. Vier Grade gibt es insgesamt – „Grad 1 ist der beste, Grad 4 der schlechteste“, erklärt Roland Walther. In ganz Europa spielen nur wenige Bands auf dem Niveau der Clan Pipers, in Deutschland keine einzige. Regelmäßig nehmen sie an Competitions, an Wettbewerben, teil.

Es braucht Übung und Kondition

Der Dudelsack ist ein anspruchsvolles Instrument. Auf die Kondition kommt es an. „Es braucht viel Übung, um einen Ton zu erzeugen“, sagt Roland Walther. Es braucht ebenfalls Übung, Melodien zu spielen: Ein Dudelsack gibt fortwährend einen Ton von sich – Stakkato oder Pausen sind nicht möglich. Man spielt stattdessen Verzierungsnoten, muss reflexartig kleine Zwischentöne greifen, zum Beispiel um einen Ton zu trennen. Gute Koordination ist außerdem gefragt: Atmen und gleichzeitig spielen und dabei auch noch herumlaufen – das muss ein Sackpfeifer beherrschen. Denn bei einem Auftritt steht die Band nicht still, sie geht herum und formiert sich dann zu einem Kreis.
Als Roland Walther Anfang der 1980er Jahre seine ersten Auftritte mit den Clan Pipers hatte, erntete er oftmals schräge Reaktionen. „Uns wurde sogar schon unter den Rock gegriffen“, erinnert er sich. Bei jedem Auftritt trägt die Band Kilt im eigenen Tartan (Muster) – so will es die Tradition der Dudelsackspieler. In den 1990er Jahren wurde das Instrument dann populärer. Und die Clan Pipers immer gefragter. Roland Walther: „Wir haben einen Airbus eingeweiht, mit André Rieu im ausverkauften Stade de France gespielt und auch schon für Rod Stewart.“

Ein weibliches Mitglied der Clan Pipers spielt während einer Probe auf einem Practice Chanter, dem Übungsinstrument der Dudelsackpfeifer, 7. August 2014, © Foto: Salome Roessler
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Dudelsackmusik populär gemacht

Die Bandmitglieder kommen von weit her: Aus Mainz oder Wiesbaden, aus dem Odenwald, sogar aus Koblenz und Bielefeld. „Die Clan Pipers haben die Dudelsackmusik in Deutschland populär gemacht“, sagt Roland Walther. Viele meinen, der Dudelsack käme aus Schottland; heute sind Dudelsäcke besonders im keltischen Kulturraum, also außer Schottland auch in Irland und der Bretagne sehr populär. Im Mittelalter waren sie in ganz Europa verbreitet. Man nimmt an, dass er seinen Ursprung in Indien hat, sich dann ausbreitete und in der Hochzeit der Bordunmusik ein beliebtes Instrument bei Hofe war. Bordunen sind die drei Pfeifen, die oben aus dem Sack herausragen, sie erzeugen den brummenden Ton. Auf dem Chanter am unteren Ende wird die Melodie gespielt. Spielen kann man alles, was nicht mehr als neun Töne hat. Auch Rocksongs wie AC/DCs Thunderstrack.

Es beginnt mit einem E

Dafür muss man den Dudelsack aber erst einmal aufblasen. So wie die Frauen und Männer bei der Probe, die nun ihre großen Instrumente aus den Koffern holen. Sie pusten, sie klopfen auf die prallen Säcke. Dann formieren sie sich im Kreis und schieben ihre Säcke wie auf Kommando unter den Arm. Kein Ton entweicht. „So muss das sein“, sagt Roland Walther. Man beginnt immer gemeinsam, immer mit einem E. Und immer erst, nachdem die Trommler den Takt vorgegeben haben. Denn wie zu jeder Dudelsackband gehören auch zu den Clan Pipers Trommler. Sie üben in einem anderen Raum und werden später zur gemeinsamen Probe zu den Sackpfeifern dazukommen.

Anja Prechel

Mitglieder der Clan Pipers spielen während einer Probe auf ihren Dudelsäcken, 7. August 2014, © Foto: Salome Roessler
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Alle zusammen werden die Clan Pipers am Samstag, 30. August, auf der Bühne der Neu Isenburger Hugenottengalle stehen und ihr 40. Jubiläum mit einem großen Konzert feiern. Mit dabei ist auch die Peoples Ford Boghall&Bathgate Caledonia Pipe Band, die beste Dudelsackband Schottlands und aktueller Vizeweltmeister. Karten können über die Website der Band http://www.clanpipers.com erworben werden. Wer selbst einmal Dudelsack spielen möchte: Die Clan Pipers Frankfurt suchen stets Dudelsack- und Trommelnachwuchs. Interessenten können sich bei Benedikt Grohs Dudelsackschule melden – Groh war lange Leiter der Clan Pipers, ist aktives Mitglied, seine Schule ist Ausbildungspartner der Band.